Wien - Jugendstilspaziergänge (1)

"Man sieht nur, wenn man geht ..."

Unter diesem Motto habe ich mich auf den Weg gemacht, um die vielen Schönheiten in meiner Stadt zu erkunden. Jugendstil ist sowieso meines.

 

Jetzt geht es los - vom Wiental ins Zentrum - und rundherum.

 

Otto Wagners Stadtbahn bestand aus vier Linien, drei davon bestehen heute noch als Teil des U-Bahnnetzes.

 

Eines der großartigsten Bauwerke der Stadtbahn ist die sogenannte "Brücke über die Zeile" zur Überführung der Gürtellinie (heute U6) über das Wiental.

 

Wagners Projektleiter war Joseph Maria Olbrich, der spätere Erbauer der Secession.

Das Stationsgebäude "Pilgramgasse" mit seinen klaren kubischen Formen, dem sparsamen geometrisch-floralem Ornament und dem dekorativen Glas-Eisen-Vordach gehört zu einer Reihe von Bauten, die in ähnlicher Form in Wien zu finden sind.

 

Sie gehen allesamt auf einem Entwurf des Architekten Otto Wagner zurück, der sie zusammen mit einem Stab von über 70 Mitarbeitern in der Zeit von 1895 bis 1901 entworfen hat.

Ein kleines Stück stadtauswärts in der Rechten Wienzeile 97, findet man das auffallende Gebäude des ehemaligen "Vorwärts-Verlages." Heute beherbergt es u.a. das Bruno Kreisky-Archiv.

 

Die Otto Wagner-Schüler Franz und Hubert Gessner schufen 1907 bis 1909 dieses symbolträchtige Gebäude der österreichischen Sozialdemokratie, das auch Sitz der Gewerkschaft und Druckereigebäude der Arbeiterzeitung diente. Die Dachfiguren stammen von Anton Hanak.

Ein Stück weiter in der Hamburgerstraße 20, befindet sich der "Rüdigerhof."

 

Das turmartige Wohnhaus, in dem auch ein Cafe untergebracht ist, entstand 1902 nach Entwurf des Architekten Oskar Marmorek ... einem Otto Wagner-Schüler.

Gleich um die Ecke vom Rüdigerhof liegt das "Miethaus Langer", das 1901/02 von einem der bedeutendsten Schüler und Mitarbeiter von Otto Wagner entworfen wurde und zwar von Joze Plecnik, der auch die Heilig Geist-Kirche in der Herbststraße geplant hat.

 

Die Eckbalkone sind später ein Lieblingsmotiv der klassischen Moderne geworden.

Weiter geht es in die Linke Wienzeile 38 und 40. Bei diesen "Wienzeile-Häusern" war Otto Wagner Architekt, Bauherr und Unternehmer.

 

Die goldenen Reliefe am Haus Nr. 38 entwarf Kolo Moser. Bei den Wienzeile Häusern waren Studenten von Otto Wagner beteiligt - Gustav Rossmann, Alois Ludwig, Joze Plecnik, Joseph Maria Olbrich.

 

Beim Majolikahaus stammen die Entwürfe von Alois Ludwig. Nach Zeichnungen 1:1 und wurden die Fliesen von der Firma Wienerberger angefertigt.

 

Die Ruferinnen am Haus Nr. 38 sind von Othmar Schimkowitz.

Ein paar Schritte weiter befindet sich die "Secession." Ein weißer, fast fensterloser Bau mit einer aus 3000 vergoldeten Blättern und 700 Beeren bestehenden Kuppel.

 

Es war das Vereins- und Ausstellungsgebäude der gleichnamigen Künstlergruppe, der fortschrittliche Künstler wie Gustav Klimt, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbricht, Kolo Moser, angehört haben.

"Der Zeit ihre Kunst - der Kunst ihre Freiheit"

Die beiden "Stationsgebäude am Karlsplatz" wurden von Otto Wagner 1898 - 1899 unter Beteiligung von Joseph Maria Olbrich mit Konstruktionsdetails von Karl Fischl, errichtet.

 

In einem der Pavillons befindet sich heute eine Otto Wagner-Dokumentation des Wien Museums und im anderen Pavillon ein Kaffeehaus.

Das "Artaria-Haus" am Kohlmarkt 9, vis a vis der Buchhandlung Manz, wurde nach einem Entwurf des Otto Wagner-Schülers Max Fabiani 1900-1902 errichtet. 

 

Die figuralen Dekorationen an den Kanten des Hauses stammen von Alfons Canciani. Das Artaria-Haus war eines der ersten Häuder mit  einer  Marmorfassade in Wien und auch eines der ersten, in dem die elektrischen Leitungen unter Putz verlegt wurde.

Die "Buchhandlung Manz" am Kohlmarkt 16 stammt von Adolf Loos.

 

Die Fassade hat den Charakter einer Schnittfläche, die die Grenze zwischen Straße und Raum markiert.

Klein, aber fein, die "Loos-Bar" - American-Bar, in der Kärntnerstraße,

Kärntner-Durchgang 10, war 1908 ein großer Erfolg in Wien und ursprünglich als Tagesbar nur Männern vorbehalten.

 

Loos gestaltete die Fassade durch vier Pfeiler aus Skyrosmarmor und Messingrahmen mit Glasfüllungen. Darüber befindet sich ein schräg vorkragender Baldachin, der von innen beleuchtet wird und eine stilsierte amerikanische Flagge zeigt.

 

Die Loos-Bar ist inzwischen denkmalgeschützt und gehört zu den Wiener Top-Ten-Bars.

Das "Anker-Haus" am Graben 10, hat Otto Wagner 1894/95 für die Versicherungsgesellschaft "Der Anker" errichtet. Es ist eines der ersten Häuser, das für eine gemischte Nutzung für Geschäfte, Büros und Wohnungen gebaut wurde.

 

Das Dach aus Eisen und Glas ist ein markanter Beitrag zur innerstädtischen Dachlandschaft.

Das Haus "Goldmann & Salatsch - Loos-Haus" am Michaelerplatz 3, wurde von Adolf Loos 1909-1911 für seine Schneider Goldmann & Salatsch errichtet. Der Bauplatz vis a vis der Hofburg hat damals schon in der Planungsphase für Aufregung gesorgt. 

 

Wäre nicht Wien, wenn nicht alles ein Aufreger wär! ;-)

 

Heute logiert die Raiffeisenbank in diesem wundervollen Haus.

Das Haus "Zum weißen Engel" in der Bognergasse 9 ist von Oskar Laske, einem Otto Wagner-Schüler 1901/02 erbaut, weist ein ornamentisches Mosaik auf. Laska war auch ein vielbeschäftigter Maler.

 

Die Engel zu beiden Seiten der Portalöffnung können als figurale Pfeiler interpretiert werden, die die tragenden Mauerteile optisch verstärken.

 

Die Apotheke besitzt noch die Einrichtung aus der Erbauungszeit.

Das "Zacherl-Haus" auf der Brandstätte 6 verdankt seinen Namen dem Bauherrn, dem Insektenpulverfabrikanten Johann Zacherl. Er wählte einen Entwurf von Joze Plecnik aus ... ebenfalls ein Otto Wagner-Schüler.

 

Die Figur des Hl. Michael von F. Andri, wurde laut Plecnik wegen der Nähe zum Dom an der Fassade angebracht.

 

Das Haus erhitzte bald das Gemüt der schlichten Bevölkerung, von der Avantgarde wurde es begeistert aufgenommen.

Die "Hohe Brücke" 1903/04 an der Wipplingerstraße wurde von Josef Hackhofer errichtet. Es lohnt sich, die Treppen zum Tiefen Graben hinunterzugehen. Von dort hat man dem Eindruck in einem Flußbett zu stehen.

 

Bei der Hohen Brücke hat sich Hackhofer wahrscheinlich von Otto Wagner anregen lassen und ähnlich wie bei dessen Karlsplatz-Pavillon, ein Stahlfachwerk mit eingehängten Marmorplatten kombiniert.

Der "Hofpavillon der Stadtbahn" ist heute eine kleine Außenstelle des Wien-Museums mit einer Otto Wagner-Dokumentation.

 

Otto Wagner hat diesen Pavillon ohne Auftrag 1898/99 entworfen. Das Gebäude liegt unmittelbar über dem Gleiskörper der ehemaligen Stadtbahn (heute U4). Grundriß, Silhouette und Dekor weisen ihn als etwas Besonderes aus. Den Pavillon betritt man über eine überdachte Rampe mit Schmiedeisengitter.

Die "Otto Wagner-Kirche" zum Heiligen Leopold am Steinhof ist eines der Hauptwerke Wagners und einer der wichtigsten Kirchenbauten der Moderne.

 

Sie liegt weithin sichtbar auf dem Gallitziberg am oberen Ende des Sozialmedizinischen Zentrums Baumgartner Höhe, die 1904-1907nach einem Konzept Wagners angelegt wurde.

Die "Heilig Geist-Kirche" in der Herbstraße im 16. Bezirk wurde von Joze Plecnik entworfen und in den Jahren 1910 bis 1913 erbaut. Die Kirche hat die Grundform einer Basilika.

 

Die ursprüngliche Planung der in einem Arbeiterviertel gelegene Kirche hatte auch einen Pfarrhof, ein Miethaus und einen Versammlungssaal vorhesehen, doch das Projekt wurde in dieser Form nie fertiggestellt.

 

Plečnik errichtete die Kirche als Eisenbetonbau. Im Inneren ersetzte er die Bögen zu den Seitenschiffen durch zwei über 20 m frei gespannte Träger.

 

So entstand statt der klaren Trennung in Mittel- und Seitenschiff eine Art quadratischer Gesamtraum.

Das "Weidmann-Haus" auf der Hitzinger Hauptstraße 6. Der Auftraggeber war der Antiquitätensammler und Galanteriewarenhersteller Weidmann, ein Onkel des Komponisten Alban Berg, der auch hier eine Weile wohnte. Weidmann lernte Plecnik im Atelier von Otto Wagner kennen und beauftragte ihn 1902 mit der Umgestaltung seines Hietzinger Hauses.

 

Leider wird das Haus heute durch Geschäftsauslagen in der Optik stark beeinträchtigt.

... und weil man wirklich nur sieht, wenn man geht -

sieht man so viele schöne Jugendstil-Fassaden, auch bei "namenlosen" Häusern.

 

Wohnhaus im 14. Bezirk, Hickelgasse

 Wohnhaus im 14. Bezirk, Nobilegasse

Haus im 6. Bezirk, Windmühlgasse

 

Fortsetzung im Teil 2 - Jugendstilspaziergänge